Forschungs- und Aktionspotentiale in der digitalen Kunstgeschichte

Aus Arbeitskreis Digitale Kunstgeschichte
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Diesese Aufstellung ging ursprünglich auf Diskussionen und Positionspapiere (Text 1 und Text 2) zurück, die auf dem ersten Treffen des Arbeitskreises digitale Kunstgeschichte 2012 in Nymphenburg geführt und vorgelegt wurden Bericht hier. Auf ihr basiert auch die aktuelle Gliederung der Themenfelder des Arbeitskreises.

Die Seite stellt damit einen Versuch dar, das vielgestaltige Feld der digitalen Kunstgeschichte inhaltlich zu strukturieren, so unvollkommen so etwas auch ausfallen muss. Sie kann hier kommentiert, ergänzt und angepasst werden.

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Soweit nicht anders vermerkt, wird hier keine offizielle Position des Arbeitskreises digitale Kunstgeschichte vertreten. Individuelle Positionen können aber auf Unterseiten dokumentiert und verlinkt werden.


Inhaltsverzeichnis

Innovative Suchstrategien und -werkzeuge unter Berücksichtigung der spezifischen Anforderungen visueller Artefakte

Der Computer bietet zum ersten Mal die Möglichkeit, das Bild direkt und bis in seine kleinsten Bestandteile hinein zu adressieren. Damit ergeben sich vollkommen neue Perspektiven der Bilderschließung, die von automatisierten Zuschreibungsfragen, Erkennung von Bildgattungen (Landschaft, Vedute) und Bildtechniken (Druckgrafik, Handzeichnung) bis hin zu Fragen der quantitativen Farbverteilungsanalyse reichen können. Im Zusammenspiel mit anderen Ansätzen lässt sich die Suche nach jeweils relevanten Bildern weiter optimieren.


Crossmediale semantische Verknüpfung und Anreicherung von Informationseinheiten mittels digitaler Werkzeuge unter besonderer Einbeziehung des Visuellen

Im digitalen Medium lassen sich visuelle und textuelle Informationen auf vielfache Weise semantisch verknüpfen (etwa Bilder mit Ortsdaten, Biographien, Quellenbeständen) und damit für wissenschaftliche Argumentation und Wissensvermittlung fruchtbar machen. Ein Beispiel stellt das von der Humboldt-Universität Berlin und der Leuphana-Universität Lüneburg unter Mitarbeit des Instituts für Kunstgeschichte der LMU, des Insitituts für Kunst- und Bildgeschichte der HU und anderer kunsthistorischer Einrichtungen im Rahmen eines BmBF-Projekts konzipierte bildorientierte e-Science-Netzwerk 'Hyperimage' dar. Die Auswertung der in zunehmendem Maße vorliegenden digitalisierten und intelligent vernetzten Informationen bietet zudem neuartige Möglichkeiten der historischen Forschung, z. B. im Bereich der automatischen semantischen Analyse: Inzwischen liegen umfangreiche, weiterhin stark wachsende Bestände an historischer Literatur vor, die etwa im Falle der bayerischen Staatsbibliothek absehbar die gesamte deutsche Publizistik der Zeit bis ca. 1900 umfassen. Auf Basis dieser Literatur können durch intelligente Aggregierungs- und Analysemethoden zeitgebundene Spezifika der Rede über Kunst herausdestilliert werden, die in letzter Instanz einen Beitrag zum „period’s eye“ (Michael Baxandall) liefern werden.

(digitale) Soziale Medien und die Kunstgeschichte

Rechner sind in der Lage, wissenschaftliche Kooperation auf eine grundsätzlich neuartige Basis zu stellen. Unter anderem eignen sie sich, große Bildbestände durch Einbeziehung der Internet-Nutzer sehr schnell zu annotieren und damit suchbar zu machen. Aber auch in einem disziplinär indifferenten sozialen Medium wie Wikipedia (WikipediaWikipedia) sind bereits zahlreiche kunsthistorische Informationen vertreten und ihre Bedeutung sowohl für den innerdisziplinären Diskurs, die Wahrnehmung einschlägiger Forschungen als auch der Objekte selbst wird in der Zukunft noch deutlich zunehmen. Die Qualität und Quantität und die Generierung und Rezeption dieser Informationen sind noch völlig unerforscht. Hier könnten nicht nur Einsichten über den Stellenwert kunsthistorischen Wissens sondern auch Hinweise auf Potentiale der Optimierung gewonnen werden.

Rezeptionsforschung

Neue Kamerasysteme (Stichwort eyetracking) ermöglichen eine Analyse der Augenbewegungen von Betrachtern und damit neuartige Informationen über individuelle Strategien der Betrachtung von Kunstwerken. Gleichzeitig erlaubt die Analyse der Daten, die im Kontext sozialer Medien erhoben werden können, neuartige Wege der Rezeptionsforschung, sind hier doch nicht nur individuell verwandte Suchbegriffe und Verschlagwortungen, sondern auch Betrachtungszeiten und -abfolgen dokumentierbar und nach unterschiedlichen sozialen Kontexten differenzierbar. Diese neuen Formen der Rezeptionsforschung öffnen die Kunstgeschichte dabei in Bereiche der Wahrnehmungspsychologie und interkulturellen Kommunikation hinein, die dem bislang eher diffusen Gebrauch des Begriffes „Bildwissenschaft“ eine sehr konkrete Bedeutung vermitteln können.

Digitale Visualisierungen und Diagramme als Werkzeuge der Forschung

Eine ganze Anzahl kunsthistorischer Sachverhalte lässt sich am besten mittels (errechneter) Visualisierungen erfassen, etwa als räumlich-dynamische Darstellung von Kontaktverhältnissen im internationalen Kunstmarkt oder als dynamische, CAD-generierte Modellierungen komplexer Baugeschichten. Die Erarbeitung einer Genealogie, Typologie, Theorie und Kritik solcher virtueller Modelle stellt jeweils ein wichtiges Desiderat dar.

Digitale (auch mobile) Vermittlung und Kommunikation von kunsthistorischem Wissen

Neben die älteren Medien des Buches oder des Vortrages treten immer mehr genuin digitale Medien wie die interaktive, audiovisuelle Führung mittels eines Smartphones oder die Integration von kunsthistorischen Informationen in interaktive Kartenportale (Google Maps o.ä.). Fachspezifische Potentiale wie Prinzipen dieser neuen Medien sind noch weitgehend unerforscht.

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